Zurrgurte richtig einsetzen – Grundlagen, Normen und Tipps zur Ladungssicherung

Mirko Schewe-Mateew
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Eine sichere Ladungssicherung ist im Transportwesen unverzichtbar. Ob im gewerblichen Einsatz, im Handwerk oder bei privaten Transporten – unzureichend gesicherte Ladung stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Zurrgurte gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln, um Ladung im Transporter oder Anhänger zuverlässig zu fixieren und gesetzliche Vorgaben einzuhalten.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Zurrgurte aufgebaut sind, welche Normen gelten, worauf bei der Auswahl zu achten ist und warum Eigenschaften wie Länge, Vorspannkraft oder Material eine entscheidende Rolle spielen.

Was sind Zurrgurte und wofür werden sie eingesetzt?

Zurrgurte – häufig auch als Spanngurte bezeichnet – sind textile Sicherungsmittel, die zur Ladungssicherung im Straßenverkehr eingesetzt werden. Sie bestehen in der Regel aus einem Gurtband aus Polyester (PES), einer Ratsche oder einem Klemmschloss sowie Endbeschlägen wie Haken.

Typische Einsatzbereiche sind:

Zurrgurte sorgen dafür, dass sich die Ladung während der Fahrt nicht verschiebt, kippt oder beschädigt wird – und schützen damit sowohl Fahrer als auch andere Verkehrsteilnehmer.

Rechtliche Grundlagen und Normen

Für Zurrgurte im Straßenverkehr gelten klare gesetzliche und normative Vorgaben. Maßgeblich ist die DIN EN 12195-2. Diese Norm legt fest, welche Anforderungen Zurrgurte hinsichtlich Material, Kennzeichnung, Belastbarkeit und Sicherheit erfüllen müssen.

Ein normgerechter Zurrgurt verfügt über:

  • ein dauerhaft angebrachtes Etikett (Label)
  • Angaben zu LC, STF und SHF
  • Materialkennzeichnung (z. B. PES)
  • Hersteller- und Normhinweise

Fehlt das Etikett oder ist es nicht mehr lesbar, darf der Zurrgurt nicht mehr verwendet werden – unabhängig vom optischen Zustand des Gurtbandes.

Aufbau eines Zurrgurtes

Ein klassischer zweiteiliger Zurrgurt besteht aus mehreren Komponenten, die jeweils sicherheitsrelevant sind:

Gurtband aus Polyester (PES)

Für die Ladungssicherung im Straßenverkehr wird nahezu ausschließlich Polyester (PES) eingesetzt. Dieses Material zeichnet sich durch eine geringe Dehnung, hohe Abriebfestigkeit und Witterungsbeständigkeit aus.

Ein typisches Merkmal von PES-Gurtbändern ist das blaue Etikett, das die Materialeignung signalisiert.

Ratsche und Spannmechanik

Die Ratsche dient dazu, das Gurtband zu spannen und die erforderliche Vorspannkraft aufzubauen. Hochwertige Zurrgurte verfügen über Industriedruckratschen, die auch bei häufiger Nutzung zuverlässig funktionieren.

Wichtige Kennwerte in diesem Zusammenhang sind:

  • STF (Standard Tension Force) – Vorspannkraft
  • SHF (Standard Hand Force) – definierte Handkraft (50 daN)

Endbeschläge und Haken

Als Endbeschläge kommen je nach Anwendung unterschiedliche Haken zum Einsatz. Häufig werden Doppelspitzhaken verwendet, die für klassische Zurrösen in Transportern und Anhängern geeignet sind.

Wichtig ist, dass die Zurröse korrekt im Hakengrund liegt, um eine gleichmäßige Kraftübertragung sicherzustellen.

LC, STF und SHF – was bedeuten diese Werte?

Die auf dem Etikett angegebenen Kennwerte sind entscheidend für die korrekte Anwendung eines Zurrgurtes.

LC (Lashing Capacity) bezeichnet die maximal zulässige Belastung des Zurrgurtes inklusive Ratsche und Endbeschlägen. Dieser Wert wird in Dekanewton (daN) angegeben.

STF (Standard Tension Force) gibt an, welche Vorspannkraft die Ratsche bei einer definierten Handkraft aufbauen kann.

SHF (Standard Hand Force) ist die normativ festgelegte Handkraft von 50 daN, mit der die Ratsche bedient wird.

Diese Werte dürfen nicht mit dem Gewicht der Ladung gleichgesetzt werden, sondern dienen der Berechnung einer sicheren Ladungssicherung.

Warum die richtige Länge entscheidend ist

Zurrgurte sind in unterschiedlichen Längen erhältlich – häufige Varianten sind 4 Meter oder 6 Meter. Die Wahl der richtigen Länge hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Größe und Form der Ladung
  • Abstand der Zurrpunkte
  • Art der Sicherung (Umreifung oder direkter Zug)

Kürzere Gurte eignen sich für kompakte Ladung, während längere Zurrgurte mehr Flexibilität bei sperrigen Gütern oder großen Ladeflächen bieten.

Zurrgurte als Set – sinnvoll für regelmäßige Einsätze

In vielen Anwendungen werden mehrere Zurrgurte gleichzeitig benötigt. Zurrgurt-Sets mit identischer Länge und Ausführung erleichtern die Handhabung und sorgen für einheitliche Sicherheitsstandards.

Vorteile von Sets:

  • gleichmäßige Belastbarkeit aller Gurte
  • einheitliche Handhabung
  • praktisch für Fuhrparks und Werkstätten
  • flexible Sicherung mehrerer Ladepunkte

Jeder Zurrgurt im Set wird dabei einzeln geprüft und bei Beschädigung separat ausgesondert.

Ablegereife und regelmäßige Prüfung

Zurrgurte besitzen kein festes Verfallsdatum. Dennoch gibt es klare Kriterien, ab wann sie nicht mehr verwendet werden dürfen.

Typische Gründe für die Ablegereife sind:

  • Garnbrüche oder starke Abnutzung
  • Einschnitte über 10 % der Gurtbreite
  • beschädigte Nähte
  • verformte oder korrodierte Ratschen
  • aufgeweitete oder beschädigte Haken
  • fehlendes oder unleserliches Etikett

Eine regelmäßige Sichtprüfung vor dem Einsatz ist daher unerlässlich.

Pflege und Lagerung von Zurrgurten

Die Lebensdauer von Zurrgurten lässt sich durch richtige Pflege deutlich verlängern. Nach dem Einsatz sollten Gurte gereinigt und trocken gelagert werden.

Besonders bei häufiger Nutzung im Außenbereich empfiehlt es sich, die Ratsche regelmäßig leicht zu ölen, um Korrosion und Funktionsstörungen zu vermeiden.

Fazit: Zurrgurte als unverzichtbares Sicherungsmittel

Zurrgurte sind ein zentrales Element der Ladungssicherung im Straßenverkehr. Ihre sichere Anwendung setzt voraus, dass sie normgerecht ausgeführt, richtig dimensioniert und regelmäßig geprüft werden.

Wer auf hochwertige Materialien, klare Kennzeichnung und passende Länge achtet, schafft die Grundlage für einen sicheren Transport – unabhängig davon, ob einzelne Gurte oder komplette Sets eingesetzt werden.


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